Russland nimmt mutmaßliche Piraten fest

August 18, 2009

Bei der Befreiung des wochenlang verschollenen Frachters “Arctic Sea” haben russische Sicherheitskräfte acht Piraten festgenommen. Die mutmaßlichen Schiffsentführer stammten aus Russland, Estland und Lettland, sagte der russische Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow nach Angaben der Agentur Itar-Tass. Die russische Schwarzmeerflotte hatte das Schiff mit den 15 russischen Seeleuten an Bord am Montag in der Nähe des westafrikanischen Inselstaats Kap Verde befreit.

Angehörige der geretteten Seeleute und die russische Seefahrergewerkschaft beklagten, dass der russische Geheimdienst weiter den persönlichen Kontakt verhindere. “Ich weiß bisher nur aus den Nachrichten von der Befreiung”, sagte Jelena Sarezkaja, die Ehefrau des “Arctic Sea”-Kapitäns Sergej Sarezki. Über den Verbleib der Männer war zunächst nichts bekannt. Die Gewerkschaft forderte, die Seeleute umgehend nach Hause zu fliegen. Die finnische Polizei konnte die Festnahme der Piraten am Dienstag nicht bestätigen.

Mit List an Bord gelangt

Die internationale Zusammenarbeit in dem mysteriösen Fall sei zwar bis zum Auffinden des angeblich mit Holz beladenen Schiffs “sehr gut” gewesen, sagte Polizeisprecher Rabbe von Hertzen in Helsinki. Doch funktioniere die Kooperation nicht “Minute für Minute”. An der Befragung der Seeleute sei die finnische Polizei ebenfalls nicht beteiligt gewesen.

Die verdächtigten Piraten hatten die “Arctic Sea” laut Serdjukow bereits am 24. Juli vor der schwedischen Küste in der Ostsee in ihre Gewalt gebracht. Nach seiner Darstellung hatten sich zwei Russen, zwei Letten und vier Esten der “Arctic Sea” in einem Schlauchboot genähert und unter dem Vorwand, in Seenot zu sein, die Besatzung um Hilfe gebeten. Das berichtete Serdjukow dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew unter Berufung auf Ermittler.

Fehlinformationen gestreut

Was das Ziel des Überfalls war, blieb aber auch am Dienstag unklar. Medien hatten von Lösegeldforderungen berichtet und davon, dass die Piraten sich als Drogenfahnder ausgegeben hätten, um auf das Schiff zu gelangen. Bislang war die Rede davon, dass die Seeräuber die “Arctic Sea” nach zwölf Stunden ohne Beute wieder verlassen hätten. In dem mysteriösen Fall sind weiter Fragen offen.

Russlands NATO-Botschafter Dmitri Rogosin hatte eingeräumt, dass absichtlich falsche Informationen verbreitet worden seien, um die Ermittlungen und die Rettung der Crew nicht zu gefährden. Die finnische Reederei Solchart Management dementierte erneut Lösegeldforderungen der Piraten. Der Direktor des Unternehmens, Viktor Matwejew, sagte dem Internetportal Life.ru, dass kein Geld gefordert oder bezahlt worden sei. Der Frachter sei jetzt beschädigt und müsse aufwendig aus afrikanischen Gewässern geborgen werden.

Das Schiff war demnach bereits seit Ende Juli in der Gewalt der Entführer. Nach dem Überfall seien alle Navigationsgeräte und die Bordtechnik abgestellt worden, sagte Serdjukow. Er erklärte damit den fehlenden Funkkontakt und das wochenlange Rätselraten um den Verbleib des Schiffs. Die russische Staatsanwaltschaft teilte mit, dass den Piraten im Fall einer Verurteilung eine Gefängnisstrafe von 20 Jahren drohe.

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Irrfahrt beendet – Fragen bleiben offen

August 17, 2009

Die dreiwöchige Irrfahrt des Frachters “Arctic Sea” mit 15 russischen Seeleuten an Bord hat ein glückliches Ende gefunden. Russlands Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow überbrachte Kremlchef Dmitri Medwedew die gute Botschaft, die Männer seien vor dem afrikanischen Inselstaat Kap Verde befreit worden und gesund. Doch das Rätsel um eine angebliche Kaperung des 98 Meter langen Schiffs, das zuletzt von Russland und der NATO gemeinsam gesucht wurde, ist noch nicht gelüftet. Viele Fragen sind offen: Ob der angeblich mit Holz im Millionenwert beladene Frachter möglicherweise auch Waffen an Bord hatte? Ob Lösegeld bezahlt wurde? Warum seit Ende Juli jeder Funkkontakt zur “Arctic Sea” fehlte?

Für den russischen Präsidenten Medwedew kam die Rettungsnachricht nach einem Montag voller Katastrophenmeldungen wie gerufen. Am Morgen waren bei einem Selbstmordattentat im Nordkaukasus viele Menschen in den Tod gerissen worden, mehr als 130 wurden verletzt. In Sibirien gab es eine Havarie im größten Wasserkraftwerk mit mindestens 10 Toten – und 60 Vermissten.

Medwedew will Mysterium aufklären

Dass der Hochsee-Thriller um die “Arctic Sea” ein gutes Ende nehmen könnte – daran hatten zuletzt viele gezweifelt. Medwedew versprach volle Aufklärung des Mysteriums um den angeblich mit Holz beladenen Frachter und wies Serdjukow an, die Presse ausführlich zu informieren. Die auf das Küstenwachschiff “Ladny” der russischen Schwarzmeerflotte gebrachten Seeleute sollten rasch verhört werden. Nach Informationen der schwedischen Polizei soll der Kapitän des Schiffs Fotos von verletzten Besatzungsmitgliedern per elektronischer Post versandt haben. Dagegen hieß es in Moskau, die Seeleute seien gesund.

Russlands NATO-Botschafter Dmitri Rogosin feierte die “glanzvolle Rettungsaktion” vor allem als einen politischen Sieg für Russland. “Russland hat seine Fähigkeit bewiesen, nicht nur die Interessen seines Landes im Allgemeinen, sondern auch die der russischen Staatsbürger an jedem beliebigen Punkt der Erde zu schützen”, teilte Rogosin mit. “Die Situation war ernst.” Allerdings sei durch die Zusammenarbeit von Militärs und Diplomaten die “Operation glanzvoll” verlaufen. Auch die Kooperation mit der NATO zeige, dass Russland mit anderen wichtigen Weltmächten gut zusammenarbeiten könne.

Algerien wartet noch immer auf Holz

Über die Details hielt sich Rogosin aber weiter bedeckt. Die “Arctic Sea” war laut Medien am 24. Juli von acht bewaffneten Männern überfallen worden, die sich als Drogenfahnder ausgegeben hatten. Die mutmaßlichen Piraten sollen die russischen Seeleute zeitweise in ihrer Gewalt gehabt, nach zwölf Stunden aber das Schiff ohne Beute wieder verlassen haben. Seither schossen Spekulationen ins Kraut, es könne um Waffen- und Drogenschmuggel gehen oder eine Beteiligung der Mafia geben. Sogar ein Untergang des Schiffs wurde nicht ausgeschlossen. Zuletzt beschäftigte sich auch die EU-Kommission mit dem rätselhaften Fall, der die halbe Welt in Atem hielt.

Für die Reederei und die Angehörigen waren die Hintergründe der wochenlangen Irrfahrt zunächst allerdings zweitrangig. Sie zeigten sich erleichtert nach Wochen der Ungewissheit. “Wir sind froh, dass die vollständige Besatzung in Sicherheit ist, dass alle am Leben sind, alle 15 Crew-Mitglieder”, sagte der Direktor der finnischen Reederei Solchart Management Ltd., Viktor Matewjew. Noch am Wochenende hatte die finnische Polizei gemeldet, einer angeblichen Lösegeldforderung nachzugehen. Das auf der “Arctic Sea” transportierte Holz soll nach russischen Angaben nun doch noch am Zielhafen in Algerien ankommen. Dort wird die Fracht seit dem 4. August erwartet.

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Lösegeld-Forderung für “Arctic Sea”

August 16, 2009

Lösegeld-Forderung für “Arctic Sea” Die finnische Reederei des Frachters “Arctic Sea” hat nach Angaben der Ermittlungsbehörden in Finnland eine Lösegeldforderung für das vor zwei Wochen zuletzt in der Nordsee gesichtete Schiff erhalten. Es handele sich um eine “beträchtliche, aber nicht gewaltige Summe”, sagte ein Polizeisprecher in Helsinki. Es ist aber noch unklar, von wem die Forderung stammt, wann sie einging und wie viel Geld gefordert wurde.

Frachter “Arctic Sea” Der Chef der Reederei Solchart, Viktor Matwejew, lehnte eine Stellungnahme ab. Er konzentriere sich derzeit darauf, das verschollene Schiff zu finden. “Ich schlafe nicht, ich esse nicht. Ich arbeite derzeit 24 Stunden am Tag”, sagte der Reederei-Chef der Nachrichtenagentur Reuters. “Wir hoffen, dass die Besatzung am Leben ist.”

Verwirrung um angebliche Sichtung

Gestern hatten die Behörden der Kapverdischen Inseln gemeldet, das gesuchte Schiff sei vor der Küste Westafrikas gesichtet worden. Der russische Botschafter in Kap Verde sagte, er sei vom Generalstabschef der Inselrepublik darüber unterrichtet worden, dass ein der “Arctic Sea” ähnelndes Schiff entdeckt worden sei. “Diese Information haben sich jedoch nicht bestätigt”, sagte der Botschafter.

Zuvor hatte die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass den russischen Botschafter bei der NATO in Brüssel mit der Aussage zitiert, die Position des Schiffes sei bekannt: “Sie wird aber aus taktischen Gründen nicht bekanntgegeben.” Die Nachrichtenagentur AFP berichtete unter Berufung auf eine Quelle aus dem Militär der Kapverden, Russland und die NATO verfolgten den Kurs des Schiffs mit Hilfe von Satelliten. Die “Arctic Sea” befände sich inzwischen südlich der Kapverden.

Laut Reederei wertvolle Holzladung an Bord

Kap Verde Karte Der Frachter mit 15 russischen Seeleuten an Bord ist seit gut zwei Wochen verschwunden. Den letzten offiziellen Funkkontakt zur “Arctic Sea” hatte die britische Küstenwache am 28. Juli in der Straße von Dover. Das Schiff sollte Holz im Wert von mehr als einer Million Euro von Finnland nach Algerien bringen.

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Taliban bekennen sich zu Attentat

August 15, 2009

Fünf Tage vor der Präsidentenwahl in Afghanistan haben Aufständische das Hauptquartier der NATO-Schutztruppe in Kabul ins Visier genommen. Vor dem Tor des Geländes zündete ein Selbstmordattentäter eine gewaltige Autobombe und riss mindestens sieben afghanische Zivilpersonen mit sich in den Tod. Mehr als 90 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Ein Taliban-Sprecher bekannte sich zu dem Anschlag und erklärte, die Bombe habe 500 Kilogramm Sprengstoff enthalten.

Nach der Explosion irrten blutüberströmte Menschen in der Nähe des Tatorts umher. Über der Stadt stieg eine dichte Rauchwolke auf. Unter den Verletzten waren den Behörden zufolge auch eine Parlamentsabgeordnete, afghanische und ausländische Soldaten sowie mehrere Kinder. Letztere versammeln sich regelmäßig vor dem Hauptquartier, um Kaugummi und andere Waren an vorbeikommende Ausländer zu verkaufen.
Schutzbarrieren grenzen Schäden ein

“Ich habe gerade in meinem Büro Tee getrunken, als sich plötzlich diese enorme Explosion ereignete”, sagte der junge Afghane Abdul Fahim, der Verletzungen an den Beinen erlitt. “Ich habe mich auf den Boden geworfen, und dann habe ich überall die Opfer gesehen.”

Schutzbarrieren begrenzten offenbar die Schäden an dem NATO-Gebäude, in dem auch der Oberkommandierende, US-General Stanley McChrystal, seinen Sitz hat. Es befindet sich in derselben Straße wie die US-Botschaft und der Präsidentenpalast.
Störung der Wahl offensichtliches Ziel

Der Leiter der polizeilichen Ermittlungsbehörde bemaß die verwendete Sprengstoffmenge auf etwa 270 Kilogramm, also wesentlich weniger als von den Taliban angegeben. Gleichwohl galt die Menge als groß genug, um eine Verwicklung des Terrornetzwerks Al Kaida zur Unterstützung der örtlichen Taliban zu vermuten.

Die islamisch-fundamentalistische Taliban-Miliz hat wiederholt damit gedroht, die Wahl massiv zu stören. Die Aufständischen haben die Bevölkerung aufgerufen, die Abstimmung zu boykottieren. Mit einem Anschlag auf das NATO-Quartier wollten die Taliban Beobachtern zufolge offensichtlich demonstrieren, dass sie jederzeit zu Übergriffen auf die Besatzungstruppen fähig sind. Immerhin musste der Attentäter drei Kontrollstellen der Polizei durchfahren, um zu seinem Ziel zu gelangen.

Es war der erste große Anschlag in Kabul seit Februar. Damals griffen acht Taliban-Kämpfer in einer koordinierten Kommandoaktion drei Regierungsgebäude an. 20 Menschen sowie die Attentäter kamen dabei ums Leben.

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Frachter 8912792 antwortet nicht

August 15, 2009

Was geschah mit der “Arctic Sea”? Russlands Flotte durchkämmt den Atlantik auf der Suche nach dem verschollenen Schiff und 15 russischen Seeleuten. Die Reederei spricht von Entführung. Experten vermuten, dass der Holzfrachter brisantes Gut an Bord hatte.

Moskau/London – “Russkije svoich ne brasajut”, Russen lassen ihresgleichen nicht im Stich. So lautet in Russland ein geflügeltes Wort – und Dmitrij Medwedew lässt im Fall des verschollenen Frachters “Arctic Sea” den Worten der Besorgnis nun Taten folgen.

Nachdem sich die Angehörigen der Besatzungsmitglieder mit einem dramatischen Appell an Russlands Machthaber gewendet hatten, hat sich der Präsident Dmitrij Medwedew nun selbst eingeschaltet, um endlich Aufschluss über das Schicksal des Schiffes und der 15 Seemänner an Bord zu erlangen.

Verschollene “Arctic Sea”: “Russen lassen ihresgleichen nicht im Stich”

Der Herr des Kreml hat die Order an seinen Verteidigungsminister Anatolij Serdjukow gegeben, alles Notwendige zu unternehmen, um die “Arctic Sea” aufzuspüren – “und wenn nötig, die Besatzung zu befreien”.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur RIA Novosti hat Russland vier Schiffe seiner Schwarzmeerflotte entsandt, um die Atlantik-Küste vor Spanien und Portugal abzusuchen. Dort soll der Holz-Frachter verschollen sein. Die Fregatte “Ladnij” und die Landungsschiffe “Jamal “, “Asof” und “Nowotscherkassk” werden bei der Suche sogar von zwei Atom-U-Booten der russischen Streitkräfte unterstützt.

Trotz dieser Demonstration des Willens gleicht die Mission, den 98 Meter langen Doppelwandfrachter mit der Kennung IMO 8912792 vor den Küsten oder gar im offenen Atlantik zu finden, der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen. Russland will deshalb auch Satelliten zur Ortung einsetzen.

Bei der Reederei Solchart glaubt man inzwischen, dass Piraten das Schiff in ihre Gewalt gebracht haben. “Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass das Schiff entführt wurde”, sagte der Direktor des finnischen Unternehmens, Wiktor Matwejew, am Donnerstag. Die “Arctic Sea” war auf dem Weg von Finnland in den algerischen Hafen Bejaia. Dort wurde der 4000-Tonnen-Frachter am 4. August erwartet. Doch er kam nie an.

Letzte E-Mail von Bord der “Arctic Sea” am 1. August

Nach bisherigen Angaben gab es den letzten Funkkontakt des unter maltesischer Flagge fahrenden Schiffs am 28. Juli bei der Einfahrt in den Ärmelkanal. Die letzte Bewegung wurde am 30. Juli vor der französischen Küste aufgezeichnet, auch vor Portugal wurde es noch ausgemacht. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sendete das Schiff aber noch am 1. August Nachrichten an die Solchart-Dependance in Archangelsk.

Wie der stellvertretende Direktor von Solchart in der nordrussischen Stadt, Iwan Bojko, SPIEGEL ONLINE sagte, erreichte ihn Anfang August gegen 9 Uhr morgens Ortszeit eine E-Mail mit technischen Daten, darunter auch die Koordinaten. “Alles schien normal”, sagte Bojko. Zur damaligen Position des Schiffes machte er jedoch keine näheren Angaben. “Das war der letzte Kontakt.” Seither hat das Team in Archangelsk nach eigenen Angaben keine Antwort mehr auf Anfragen an die “Arctic Sea” bekommen.

Nach Angaben der maltesischen Schifffahrtsbehörde war der Frachter am 24. Juli vor der schwedischen Küste von acht bis zwölf, mit Gewehren und Pistolen bewaffneten Männern geentert worden, die sich als Drogenfahnder ausgaben. Dabei seien die Besatzungsmitglieder misshandelt und zum Teil schwer verletzt worden. Die schwedische Regierung habe mitgeteilt, ihre Sicherheitskräfte seien nicht auf der “Arctic Sea” eingesetzt gewesen.

Sollten Piraten die “Arctic Sea” tatsächlich entführt haben, wäre es der erste Fall dieser Art in EU-Gewässern.

Doch der Zwischenfall und die Art und Weise, wie er bekannt wurde, werfen Fragen auf: Nach dem Überfall unweit der Ostseeinsel Gotland hieß es auch, die Angreifer hätten das Schiff wieder ohne Beute verlassen. Doch das attackierte Schiff und die misshandelten Seeleute steuerten nicht etwa den nächsten Hafen an, sondern blieben auf hoher See.

Geriet das Schiff in Seenot? Sank es etwa?

Nachdem die mutmaßlichen Piraten das Schiff verlassen hatten, meldete sich die Besatzung erst am 28. Juli mit einem ausführlichen Bericht bei ihrem Auftraggeber. Fünf Tage später verliert sich jede Spur von ihr.

Nahezu auszuschließen ist, dass das Schiff aufgrund technischer Schwierigkeiten in Seenot geraten oder gar gesunken sein könnte. Nach Angaben der russischen Zeitung “Komsomolskaja Prawda” war das Boot 15 Tage vor seinem Aufbruch zu seiner letzten Reise in Kaliningrad generalüberholt worden. In Finnland habe die “Arctic Sea” dann Ladung aufgenommen

Russische Medien spekulieren über das Schicksal von Schiff und Mannschaft: So heißt es, die “Arctic Sea” könnte in die Hände von Terroristen gefallen sein, die einen Anschlag auf oder von hoher See aus planen. Schiff und Ladung könnten aber auch mit dem Ziel eines schnellen Gewinns verkauft worden und die Besatzung in Rettungsbooten ausgesetzt worden sein.

Am Donnerstagmorgen meldete zwar der russische Branchendienst “Morskoj Bulletin – Sowfracht”, im spanischen San Sebastian sei ein namenloses Schiff eingelaufen, das dem vermissten Holzfrachter frappierend ähnlich sehe – doch die spanischen Behörden dementierten prompt.

“Sowfracht”-Chefredakteur Michail Wojtenko ist davon überzeugt, dass die “Arctic Sea” neben dem finnischen Holz noch eine zweite, brisante Fracht an Bord gehabt haben könnte, die das Interesse von Banditen oder gar der Mafia geweckt haben könnte. “Das Schiff könnte heimlich mit etwas beladen worden sein, von dem wir nichts wissen”, mutmaßt der Seefahrtsexperte.

Dass es sich dabei um Drogen oder gar um normale Schmuggelware handelt, schließt Wojtenko jedoch aus. “Ich denke, es ist etwas, das teurer und gefährlicher ist.” Zuvor hatte es schon Gerüchte gegeben, dass das Schiff Waffen aus Russland für Afrika geladen haben könnte.

Solchart in Archangelsk weist solche Vermutungen jedoch entschieden zurück. Das Schiff sei von den jeweiligen Zollbehörden sowohl vor dem Auslaufen aus Kaliningrad als auch beim Beladen in Finnland kontrolliert worden, zitiert das russische Internetportal Newsru.com den Chef der Solchart-Filiale, Nikolai Karpenkow.

Die Gerüchte über eine geheime Fracht an Bord der “Arctic Sea” seien völliger Unsinn.

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Russland: “Arctic Sea” bleibt verschollen

August 15, 2009

Der Verbleib des vor zweieinhalb Wochen verschwundenen finnischen Frachters “Arctic Sea” mit 15 russischen Seeleuten an Bord gibt weiter Rätsel auf. Nachdem die Regierung Kap Verdes zunächst mitgeteilt hatte, dass das Schiff rund 400 Seemeilen (720 Kilometer) nördlich des Inselstaates vor der westafrikanischen Küste gesichtet worden sei, wurde dies wenig später von russischer Seite dementiert. Der kapverdische Generalstabschef habe ihn davon unterrichtet, dass ein der “Arctic Sea” ähnelndes Schiff gesichtet worden sei, sagte der russische Botschafter in Kap Verde, Alexander Karpuschin, laut Nachrichtenagentur Interfax dem russischen Fernsehen. “Diese Information hat sich jedoch nicht bestätigt.”

Zuvor hatte bereits ein ranghoher Militärsprecher in Brüssel der russischen Agentur Itar-Tass gesagt, dass man wisse, wo sich die “Artic Sea” befinde: “Das Schiff ist nicht gesunken. Seine Position ist bekannt, wird aber aus taktischen Gründen nicht bekanntgegeben.” Den Grund für die Geheimhaltung nannte der Sprecher nicht. Der russische NATO-Botschafter Dmitri Rogosin betonte, man könne keine Details mitteilen. “Die Situation ist dramatisch genug, da darf man nichts vorzeitig mitteilen”, sagte der Diplomat ohne weitere Einzelheiten dem Moskauer Radiosender Echo Moskwy. Russland und die NATO stünden im Fall der “Arctic Sea” in “engem Kontakt”.
War das Schiff in portugiesischen Gewässern?

Das Schiff, das Holz im Wert von über einer Million Euro von Finnland nach Algerien bringen sollte, ist seit gut zwei Wochen verschwunden. Den letzten offiziellen Funkkontakt zur “Arctic Sea” hatte die britische Küstenwache am 28. Juli in der Straße von Dover.

Ein Sprecher der EU-Kommission sagte, es habe nach dem mysteriösen Überfall auf das Schiff in der Ostsee vom 24. Juli einen zweiten Angriff vor der Küste Portugals gegeben. Lissabon bestreitet dagegen, dass sich die “Arctic Sea” in den vergangenen Tagen in portugiesischen Gewässern bewegt hat.
Waffen für Afrika geladen?

Ein EU-Sprecher sagte, es handele sich nach “Informationen aus den Mitgliedsstaaten” nicht um klassische Piraterie. Auf die Frage, was sich dann hinter dem Verschwinden des rund 100 Meter langen Schiffes verbergen könnte, sagte ein Sprecher der EU-Kommission: “Dazu haben wir keine Meinung und keinen Kommentar abzugeben.”

Der Vizechef der russischen Seefahrergewerkschaft, Sergej Portenko, sagte der Moskauer Boulevardzeitung “Moskowski Komsomolez”: “Ich gehe davon aus, dass die Behörden längst wissen, wo das Schiff ist.” Nach seiner Vermutung soll vertuscht werden, dass die “Arctic Sea” Waffen für Afrika geladen hatte.
Spekulationen: Crew in Lebensgefahr

Der finnische Eigner sprach weiter von einem “Rätsel”. Es sei nicht gelungen, Kontakt zu dem Schiff aufzunehmen, sagte der Direktor der Reederei Solchart Management Ltd, Viktor Matwejew. Er wollte sich nicht an Spekulationen über eine mögliche Entführung des Schiffs beteiligen. Er zeigte sich erfreut, dass sich die russische Marine an der Suche nach dem Schiff beteiligt.

Russische Zeitungen spekulierten, dass die Crew in Lebensgefahr sein könnte. “Wenn bei dieser Sache wirklich ‘wichtige Leute’ ihre Finger im Spiel haben, dürfte man die Besatzung als Zeugen wohl aus dem Weg räumen”, schrieb “Moskowski Komsomolez”. Der 50 Jahre alte Kapitän Sergej Serezki gilt russischen Medien zufolge als erfahrener Seemann. Das Schiff ist nach Angaben des Eigners in technisch einwandfreiem Zustand und hat Treibstoff und Nahrung für etwa 40 Tage an Bord.

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Medwedew: Alle suchen “Arctic Sea”

August 13, 2009

Nach dem mysteriösen Verschwinden eines Frachters vor der Küste Westeuropas hat die russische Marine alle ihre Schiffe im Atlantik auf die Suche nach der “Arctic Sea” angesetzt. Zugleich wurden Spekulationen über die Fracht des unter maltesischer Flagge fahrenden Schiffs mit 15 russischen Besatzungsmitgliedern laut. Es hat nach vorliegenden Informationen Holz der finnischen Firma Rets Timber im Wert von 1,3 Millionen Euro geladen.
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Der russische Präsident Dmitri Medwedew ordnete an, dass mit allen Mitteln nach dem Schiff gesucht werden soll. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wird auch ein Satellit eingesetzt. Die finnische Polizei erklärte, sie unterstütze die Ermittlungen. Frankreich erklärte, man stehe in Kontakt mit allen betroffenen Behörden. Auch das britische Außenministerium bot Unterstützung an.

Spekulationen über Ladung

Experten vermuteten, dass der Frachter möglicherweise eine geheime Ladung an Bord hatte. Denkbar sei auch, dass ein Handelsstreit mit dem Verschwinden zu tun habe. Selbst ein Piratenüberfall wurde nicht ausgeschlossen – bislang hat es allerdings noch keinen derartigen Angriff in europäischen Gewässern gegeben.

Der Schifffahrtsexperte Michael Woitenko, Chefredakteur des russischen “Seefahrer Bulletin”, vermutete, dass das Schiff eine “bestimmte mysteriöse Fracht” geladen habe, etwa besonders wertvolles oder gefährliches Material. “Eine bestimmte dritte Partei, die das Schiff übernommen hat”, sei nun unter allen Umständen entschlossen sicherzustellen, dass die Fracht ihren Empfänger nicht erreiche, spekulierte er auf der Website des Magazins.
Angeblich Suche nach Kokain bei Überfall

Die schwedische Zeitung “Metro” berichtete, sie habe am 31. Juli telefonisch mit einem Mann gesprochen, der sich als Kapitän der “Arctic Sea” ausgegeben habe. Er berichtete dem Blatt zufolge von einem Überfall auf den Frachter wenige Tage zuvor in der Ostsee.

Die Täter hätten schwarze Uniformen getragen und wie amerikanische Elite-Soldaten ausgesehen, zitierte “Metro” aus dem Telefonat. Sie sprachen demnach Englisch mit Akzent und erklärten, sie seien auf der Suche nach Kokain, das in Kaliningrad an Bord gebracht habe werden sollen.
Frachter vor Beladung in Kaliningrad ausgebessert

In Kaliningrad wurde der Frachter vor dem Beladen in Finnland ausgebessert. Die “Arctic Sea” sollte eigentlich am 4. August in Algerien eintreffen. Den letzten Kontakt mit dem Schiff gab es am 28. Juli, als sich das Schiff per Funk bei den britischen Behörden meldete und anschließend durch den Ärmelkanal fuhr.

Seitdem gibt es keinen Hinweis mehr auf den Verbleib des Frachters und seiner Besatzung. Vier Tage vor dem letzten Kontakt, am 24. Juli, war die Crew nach eigenen Angaben in der Ostsee überfallen worden. Die maltesische Schifffahrtsbehörde erklärte, die “Arctic Sea” habe nicht die Straße von Gibraltar angesteuert. Dies deute darauf hin, dass das Schiff auf den Atlantik gefahren sei.

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65. Jahrestag des Attentats auf Hitler

Juli 20, 2009

Merkel: “Freiheit nicht zum Nulltarif”

Bei einem feierlichen Gelöbnis vor dem Reichstag in Berlin hat Bundeskanzlerin Angela Merkel ein deutliches Bekenntnis zur Wehrpflicht abgelegt. Die Wehrpflicht sei eine “wichtige Klammer zwischen Gesellschaft und Streitkräften”, sagte sie in ihrer Rede. Der Dienst in der Bundeswehr zeige, dass “Freiheit nicht zum Nulltarif, ohne verantwortungsvolles Engagement aller Bürger” zu haben sei. Sie sei inzwischen ein “Markenzeichen unserer Streitkräfte, um die wir auch international beneidet werden”.

Rund 400 Rekruten legten ihr Gelöbnis vor dem Reichstag ab. Dies sei “genau der richtige Ort”, sagte Merkel. Er zeige, dass die Bundeswehr in der Mitte der Gesellschaft stehe. Merkel erinnerte auch an die Widerstandskämpfer des 20. Juli, die vor 65 Jahren das Attentat auf Hitler verübt hatten. Sie hätten die Traditionslinien der Bundeswehr begründet und die Würde Deutschlands bewahrt, sagte sie. Merkel rechtfertigte in ihrer Rede die Auslandseinsätze der Bundeswehr. Sicherheit und Stabilität müssten auch weit entfernt von Deutschland geschützt werden. Die Kanzlerin verwies auf neue Risiken wie Terrorismus, instabile Staaten und die Verbreitung von Atomwaffen.

Jung sieht Widerstand als Vorbild

Verteidigungsminister Franz Josef Jung sagte, der militärische Widerstand gegen Adolf Hitler sei Vorbild für die Bundeswehr. “Wir bekennen uns öffentlich zur Tradition des militärischen Widerstands – eine Tradition, auf die wir zu Recht stolz sein können” Jung sagte: “Die Bundeswehr und der 20. Juli sind untrennbar miteinander verbunden.”

Keine Störungen bei der Zeremonie

Das Gelöbnis fand 2008 zum ersten Mal vor dem Bundestag stand. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist. Die Veranstaltung war von 1500 Polizisten gesichert worden, die das Areal weiträumig abgesperrt hatten. Linke Gruppen hatten Proteste angekündigt, die nach Polizeiangaben bis zum frühen Abend friedlich verliefen. Rund 200 Demonstranten protestierten in einem Kilometer Entfernung gegen die Veranstaltung. Ein Protestzug in Richtung der Gelöbnisfeier war untersagt worden. Erlaubt war lediglich die Kundgebung am Potsdamer Platz – außer Sicht- und Hörweite vom Reichstagsgebäude.

Gedenken an die Attentäter

Zum 65. Jahrestag des Attentats auf Adolf Hitler hatten zuvor Politiker und Soldaten Kränze an Gedenkstätten beim Verteidigungsministerium und in Plötzensee niedergelegt. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Franz Josef Jung würdigten den Widerstand gegen Hitler als Vorbild für die Bundeswehr und die ganze deutsche Gesellschaft.

Der 20. Juli 1944: Der 20. Juli 1944 ist ein Symbol des militärischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. An diesem Tag versuchte Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg Adolf Hitler mit einem Anschlag zu töten. Nach dem Tod des Diktators sollte mit den Westalliierten über ein Ende des Zweiten Weltkrieges verhandelt werden. Stauffenberg stellte im ostpreußischen Führerhauptquartier “Wolfsschanze” eine Aktentasche mit einer Zeitbombe ab und reiste nach Berlin zurück. Bei der Explosion starben fünf von 24 Anwesenden, Hitler wurde nur leicht verletzt. Von Hitlers Tod überzeugt, setzte Stauffenberg in Berlin die “Operation Walküre” in Gang. Noch in der Nacht wurden Stauffenberg und weitere Beteiligte in Berlin im Bendlerblock – damals Sitz des Heeresamtes – hingerichtet. Insgesamt fielen rund 200 Mitverschwörer der Nazi-Justiz zum Opfer.

Bei der Kranzniederlegung an der Gedenkstätte Plötzensee in Berlin mahnte Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die Bürger “zum unbedingten Einsatz”, das Erbe des 20. Juli zu wahren. Denjenigen, die den Widerstandskämpfern von damals mangelndes Demokratieverständnis unterstellten, warf er ein “komfortables, hochmütiges Urteil” vor. Guttenbergs Urgroßonkel war 1945 als Widerstandskämpfer von den Nazis ermordet worden.

Kranzniederlegung im Bendlerblock

Zuvor hatten bereits Vertreter der Bundesregierung und des Bundesrates am Hinrichtungsort im Bendlerblock mit einer Kranzniederlegung der Attentäter gedacht. Hier waren nach dem missglückten Bombenanschlag die Offiziere um Claus Schenk Graf von Stauffenberg hingerichtet worden.

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Opposition fordert Referendum über Regierung

Juli 20, 2009

Der reformorientierte ehemalige iranische Präsident Mohammad Chatami hat mit seinem Vorschlag, zur Beendigung der politischen Krise das Volk über die Legitimität der Regierung abstimmen zu lassen, die Führung in Teheran offen herausgefordert.

Der oberste geistliche Führer des Landes, Ayatollah Ali Chamenei, konterte mit der Mahnung an die Opposition, sie solle vorsichtig sein in ihrer Haltung zu den Unruhen nach der umstrittenen Präsidentenwahl. Die Störung der Sicherheit sei “das größte Laster”, sagte er nach einem Bericht des staatlichen Rundfunks.

Der populäre Reformpolitiker Chatami erklärte, die Iraner hätten nach der Präsidentenwahl vom 12. Juni ihr Vertrauen in das politische System verloren. “Ich sage jetzt offen, dass der Ausweg aus der aktuellen Krise darin besteht, ein Referendum abzuhalten”, sagte der Ex-Präsident nach Angaben mehrerer der Reformbewegung nahe stehender Webseiten. “Die Beständigkeit der Ordnung und die Fortdauer des Fortschritts im Land hängen von der Wiederherstellung des öffentlichen Vertrauens ab.”

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Chamenei erklärt Ergebnis für gültig

Den Hardlinern warf Chatami vor, die Demokratie und die Fundamente der islamischen Republik untergraben zu haben, als sie die Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad bestätigten. Die Opposition sieht in dem offiziellem Ergebnis Wahlbetrug.

Chamenei hat das Wahlergebnis jedoch für gültig erklärt. Laut Verfassung müsste er als oberster geistlicher Führer des Landes ein Referendum anordnen. Die Abstimmung würde dann vom Wächterrat überwacht. Doch beide Institutionen haben sich auf die Seite Ahmadinedschads geschlagen. Chatami regte an, stattdessen den Schlichtungsrat mit der Wahlaufsicht zu betrauen. Der Schlichtungsrat ist ein einflussreiches Gremium von Klerikern, das zwischen Regierung und Parlament vermittelt und Chamenei berät.

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UN-Sicherheitsrat beschließt Sanktionen

Juli 16, 2009

Sanktionen belegt. Diese richten sich hauptsächlich gegen das Atom- und Raketenprogramm des kommunistischen Landes.

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Ein Ausschuss des UN-Sicherheitsrats hat neue Sanktionen gegen Nordkorea beschlossen. Demnach werden fünf Unternehmen und fünf ranghohe nordkoreanische Vertreter wegen des umstrittenen Atomprogramms mit Reiseverboten belegt. Zudem werden ihre Konten eingefroren. Zwei Materialien, die für den Bau ballistischer Raketen genutzt werden können, dürfen zudem nicht mehr in das kommunistische Land exportiert werden. Die Sanktionen wurden von allen 15 Sicherheitsratsmitgliedern mitgetragen und gelten ab sofort.

Der japanische UN-Botschafter Yukio Takasu sprach nach dem Beschluss von einer “großen Leistung”. Der Vorsitzende des Sicherheitsratsausschusses, der stellvertretende türkische UN-Botschafter Fazli Corman, betonte, es sei ein großer Schritt, dass erstmals Sanktionen gegen einzelne Personen beschlossen worden seien. “Das zeigt, dass die Sanktionen jetzt ein höheres Niveau erreichen.”

Der britische UN-Botschafter John Sawers sagte, die Beschlüsse seien ein bedeutender Schritt, um Nordkoreas Streben nach Massenvernichtungswaffen zu unterbinden. Die USA zeigten sich ebenfalls zufrieden, auch die Vetomacht China, die traditionelle Schutzmacht des Regimes in Pjöngjang, stellte sich hinter den Beschluss.

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Reaktion auf Atomwaffentest

Die Sanktionen richteten sich unter anderem gegen das Generalbüro für Atomenergie, Nordkoreas wichtigste Atombehörde, die auch das Kernforschungszentrum in Yongbyon betreibt. Zudem wurden drei in Pjöngjang ansässige Handelsunternehmen mit Sanktionen belegt: Namchongang, Korea Hyoksin, Korean Tangun. Auch eine in Teheran ansässige Firma stand auf der Liste, Hong Kong Electronics. Die fünf mit Sanktionen belegten Personen waren hauptsächlich ranghohe Vertreter der oben genannten Institutionen.

Zudem ist nunmehr für alle UN-Mitgliedsstaaten der Verkauf von einigen Graphit- und Para-Aramid-Stoffen an Nordkorea verboten, da diese zum Waffenbau genutzt werden können. Die Beschlüsse sind eine Folge der UN-Resolution 1874, mit der der Sicherheitsrat am 12. Juni auf einen nordkoreanischen Atomwaffentest vom 25. Mai reagierte. Seither hat das Regime in Pjöngjang auch weitere Raketen getestet, wogegen der Sicherheitsrat protestiert hat.

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